Kopfhörertest #2

Nachdem ich mein Sport-Kopfhörerproblem bereits zwei mal gelöst habe, hier die Antwort auf eine weitere nicht gestellte Frage in Sachen Audioausgabe. In-Ear-Kopfhörer sind teilweise trotz ihrer praktischen Größe mühsam...
  • Es tut weh, wenn im Winter die Haube auf die Stöpsel drückt
  • Es ist kalt, wenn es unter die Haube zieht
  • Die Akkulaufzeit reicht nicht von Linz nach TelAviv
  • Das Kind im Zugabteil ist trotz tief versenkten Ohrstöpseln noch immer laut
Darunter leide ich 1st world Citizen natürlich so derart unerträglich, dass ich mich auf die Suche nach guten On- oder Over-Ear Kopfhörern machen musste. Auf der Shortlist sind nun Modelle, welche bei meinem Streifzug durch das Amazon Warehouse-Deals Angebot für einen direkten Vergleich bestellt wurden.

Bewertung

Bewertet wird von mir wie immer subjektiv und ohne Erfahrung in willkürlich gewählten Kategorien. Charmanter ausgedrückt "unvoreingenommen":

Akkulaufzeit sollte bei den Kopfhörern kein Thema sein, denn mit den günstigsten sind bereits 20 Stunden Hörvergnügen möglich. Außerdem habe ich nicht die Zeit alle Kopfhörer so lange aufzusetzen bis der Akku schlapp macht.


Marshall


Der Marshall Mid A.N.C. ist hier, weil es Mimis Kopfhörer sind.

Allgemeines

Die Bedienung von Lautstärke und Track-Kontrolle mittels goldenem Nubbel ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Wenn Bluetooth mal wieder zu lange dauert , hat der Kopfhörer ein Kabel mit Mikrofon dabei. Auch wenn der Akku leer ist, kann man darüber Musik wiedergeben, was im Notfall schon mal sehr fein sein kann.
Der Kopfhörer läst sich sehr klein zusammenfalten, eine Tasche für den Transport des kostspieligen Accessoires war nicht dabei.
Geladen wird natürlich mittels Micro-USB, sogar das mitgelieferte Kabel dafür ist so weich und geschmeidig dass man nicht aufhören kann damit rumzuspielen.

Style

Cooler Look aber für mich zu viel Retro-Hipster-Macbook, ein bisschen sportlich darf schon sein.

Sport

Beim Laufen selbst fühlt er sich gut an. Nicht zu schwer und guter Sitz. Mich hat doch sehr überrascht, dass die Windgeräusche schon sehr laut sind, bin aber auch In-Ears gewöhnt.

Geräuschunterdrückung

Das Noise Cancelling macht gefühlt die Höhen von Windgeräuschen lauter. Fahrzeuge und tiefere Töne werden ein kleines bisschen leiser. Den größten Effekt konnte ich schon durch das Aufsetzen der Kopfhörer (ohne eingeschaltete Geräuschunterdrückung) erzielen.
Man sollte nicht vergessen die Geräuschunterdrückung immer abzudrehen. Vergisst man das, ist der Kopfhörer leer wenn man ihn dann wieder mal braucht. Sie schaltet sich also erst aus, wenn der Akku leer ist.


AKG


Aus Nostalgischen Gründen und weil ich gelesen habe, dass es wohl die besten On-Ears mit Geräuschunterdrückung sind wanderten die AKG N60NC in den Warenkorb.

Allgemeines

Als ich den Kopfhörer ausgepackt habe musste ich feststellen, dass sich genau den Flugzeugadapter des Warehouse-Deals jemand behalten hat. Schock! aber mir prinipiell egal. Viel schlimmer flällt aus, dass man die Kopfhörer nicht über eine genormte USB-Schnittstelle sondern über ein Spezial-Kabel, welches in die Kopfhörerbuchse gesteckt wird geladen werden muss. Der Kopfhörer ging also flux wieder in die Verpackung zurück und retour an den Absender. Warum? Warum!

Style

Nüchterner Businesss-Look. Überzeugt mich nicht so ganz.

Sport

Nicht probiert.

Geräuschunterdrückung

Kann die Erwartungen nicht erfüllen und ist etwas schlechter als beim Marshall.


Sony On Ears ohne NC


Ursprünglich wollte ich eigentlich nur günstige Sonys für die Kalte Jahreszeit, habe mich aber irgendwie zu Geräuschunterdrückung hochgearbeitet. Als low end Alternative (was die 28€ betrifft) holte ich mir die Sony WH-CH500.
Das eigentlich inkludierte Mircro-USB-Kabel hat sich anscheinend der letzte Käufer dieses Warehouse-Deals behalten.

Allgemeines

Keep it simple ist hier wohl das Motto. Eine Taste für Ein/Ausschalten, Abheben und Play/Pause. Zusätzlich gibts eine Wippe für Lautstärke und Track-Kontrolle.
Geladen wird natürlich mittels Micro-USB.

Style

Sportlicher cooler Look und in Blau sogar noch ein paar Euros billiger. Das Material greift sich billig (sind sie auch) aber nicht minderwertig an. Die Oberfläche ist glänzend und leicht verkratzbar. Das habe ich gleich beim Auspacken festgestellt, da hier bereits Scheuerspuren von der Verpackung vorhanden waren.

Sport

Sitzen gut und stören genau so wenig wie die Marshall. Man glaubt gar nicht wie sehr Ohren beim Laufen schwitzen können. Sie halten also schön warm. Ein leises Knacken geben sie manchmal von sich, welches sich aber durch kurze Readjustierung abstellen lässt.

Geräuschunterdrückung

Hier nicht vorhanden. Die Umgebung wird aber beim Aufsetzen schon ganz gut ausgeblendet. Windgeräusche sind hier weniger störend als beim Marshall Kopfhörer (mit oder ohne Geräuschunterdrückung). Fahrzeuge hört man trotzdem noch leicht aber nicht störend.


Sony Over Ear


Die Dinger sollten mich besser wirklich überzeugen, den trotz des Warehouse-Deal waren sie immer noch 170€ schwer. Appropos Deal, ich bin froh, dass überhaupt Kopfhörer angekommen sind. Zuerst hat mich Amazon benachrichtigt, dass die Dinger wohl aus UK geliefert werden und dann habe ich beim Auspacken festgestellt, dass sich wohl der Voreigentümer alle Kabel behalten hat. Der Aufbewahrungsbeutel wurde mir aber vergönnt.

Allgemeines

Der Sony WH-H900N kommt mit Geräuschunterdrückung und Touch-Gesten-Bedienung. Die Gesten-Bedienung ist sehr intuitiv und funktioniert auch mit meinen eigentlich smartphoneinkompatiblen Laufhandschuhen noch.
Der Kopfhörer bietet ein super fancy Audio-Profil, welches leider von meinen Ohren nicht unterstützt wird. Dafür gefällt mir die Bass-Boost Einstellung sehr gut.
Die Kopfhörer unterstützen auch eine etwas eigenartige Art von Googles Assistant. Man kann dafür die Taste der Geräuschunterdrückungsmodi opfern. Danach kann man seinem Assistenten mit jener Taste Befehle flüstern. Generell der größte Fail dieses Kopfhörers, denn ich würde schon gerne die Geräuschunterdrückung ohne App steuern können.
Appropos App für dieses Paar Ohrmuscheln gibt es eine App in der alles und noch mehr eingestellt werden kann.

Style

Cooler Look aber doch etwas groß? Ich finde nicht. Hatte man mal die MDR-XB950N1 zum Vergleich auf, ist dieses Modell ein schlanker Ohrenschmeichler. Ich kann mich zwar wegen der Farbe auf Kommentare wie "tolle rosa Kopfhörer hast du da" vorbereiten aber trotzdem beziehungsweise deswegen gefällt mir das rote Modell sehr gut.


Sport

Da die Pads in Kopfhörer-Rot gehalten sind, könnte es sein, dass diese schnell grauslich aussehen werden. Was man aber auch als Vorteil sehen könnte, da man dann den Dreck entfernen könnte.
Innen im Kopfhörer gibt es hier ein dünnes, durchsichtiges Netz, dass die Ohren von den Lautsprechern trennt. Eventuell wäre ein Schweißablauf (Hallo Sony Produktmanagement!) unten nicht schlecht.
Beim Laufen machen sich wie bei allen anderen Modellen auch Windgeräusche bemerkbar. Schaltet man jedoch das Profil zur Windgeräuschminimierung ein ist Ruhe angesagt. Sehr erstaunlich, damit läuft es sich als ob man im Wohnzimmer sitzen würde.


Geräuschunterdrückung

Als Over-Ears sollte man hier schon ohne eingeschaltene Unterdrückung einen merklichen Unterschied "hören". Die Unterdrückung selbst arbeitet erstaunlich gut und am Besten von allen getesteten Modellen. Über die App kann zusätzlich zwischen Aus, Ein beziehungsweise Windgeräuschminimierung (interessant) und Umgebungsgeräusch (wie bei den In Ears) umgeschalten werden.


Sony Over Ear #2


Eigentlich wollte ich sie nicht bestellen aber da sie gerade nochmal auf 90€ reduziert wurden muss ich die MDR-XB950N1 einfach testen.

Allgemeines

Neben einigen Tasten für allgemeine Funktionen findet sich hier auch eine "Bass Boost" Funktion. Dieses Pärchen kommt mit einem kleinen Beutelchen für die Aufbewahrung. 

Style

Mir fällt auf, dass ich doch ein wenig Sony Fanboy bin, was das Styling der Kopfhöer angeht. Ich befürchte, dass die Kopfhörer aufgesetzt mein Gesicht nicht mehr raussieht. Sieht man sich die Produktbilder an sehen die Kopfhörer riesigst aus. Aufgesetzt ist das ganze dann nicht mehr so schlimm aber doch noch schlimm genug um nicht damit laufen gehen zu wollen.


Sport

Kein Knacken oder Knarzen feststellbar. Mit ihrem doch großen Volumen sind sie auch bei schnellem Tempo keine störende Last. Kommt man ins Schwitzen sind die Over-Ears angenehmer, da sich der Schweiß nicht zwischen Polster und Ohr sammelt. Geschwitzt wird trotzdem aber möchte man keine warmen Ohren kann InEar genutzt werden.


Geräuschunterdrückung

Als Over-Ears merkt man den größten Unterschied bereits beim Aufsetzen. Die Geräuschminimierung selbst fällt eher marginal aus und ist mit dem Sony WH-H900N nicht vergleichbar. Windgeräusche werden zwar nicht dadurch verstärkt aber auch nicht weniger.
Generell stelle ich fest, dass eine Geräuschunterdrückung wohl eher für Zug und Flug gemeint ist. Höhere Töne werden kaum gefiltert.


Fazit


Die wohl weiseste Entscheidung ist die Sony WH-CH500. Geeignet für Sport, klein und obendrein günstig gibt es eigentlich nichts zu auszusetzen. Wie könnte es anders sein, ist bis zum Schluss auch der teuerste Sony WH-H900N Kopfhörer im Rennen geblieben.

Geworden sind es die teureren auf Grund der Windgeräuschminimierung und des satten Bass. Ich bin schon gespannt wie das Ohrmuschelmaterial mit meinem Schweiß reagiert...

Abschließend habe ich eine Frage. Würdet ihr die Kopfhörer zurück an Amazon Warehousedeals schicken, damit ihr nach der Testphase unkompliziert an euer Geld kommt? Oder würdet ihr die neuen aber doch ein Mal angeschwitzten Kopfhörer behalten und privat weiter verkaufen?

Kommentare