Volles Atom voraus! Zwentendorf


Auf dem Weg der Mundpropaganda ist mir zu Ohren gekommen, dass sich das weltweit einzigartige der Öffentlichkeit zugängliche Atomkraftwerk ausgerechnet in Österreich befindet. Irgendwo in meinem 85er Gehirn regte sich neben den Erinnerungen an Stories über nicht benützbare Sandkästen und dem Regen zum Opfer gefallene Teddybären, massives Interesse. Aus technischem Gesichtspunkt finde ich ist so ein Atomkraftwerk unendlich spannend.


Kurz auf der Seite von EVN gecheckt habe ich zwar herausgefunden, dass die Führungen sogar gratis aber vermutlich deshalb auch immer sofort für das nächste halbe Jahr ausgebucht sind. Durch akribische Planung (Termin für die nächsten Anmeldungen im Kalender markiert), habe ich für 08. Juni 2018 eine Führung für uns reservieren können.


Der Weg zum Atomkraftwerk könnte unspektakulärer nicht sein. Man fährt von der Schnellstraße durch ein paar Nester und wenn man glaubt in der Ferne rechts das Kraftwerk ausgemacht zu haben lotst einen das Navi nach links auf eine kleine Straße. Später bei der Führung wurden wir darüber informiert, dass es sich bei dem Schlot rechts um das Kohlekraftwerk Dürnrohr handelt.

Das Kraftwerk Zwentendorf wurde eifrig in 2 Jahren Bauzeit fertiggestellt, was bei so einem Unterfangen in den 70ern eine ordentliche Leistung darstellte. Was die wenigsten Österreicher wissen ist, dass sogar die 200Mio € teuren Brennelemente bereits vor Ort waren und somit wirklich nur mehr eingeschalten werden musste.


Nachdem die allseits bekannte Volksbefragung durchgeführt wurde, haben die Besitzer des Kraftwerks 6 Jahre lang darauf gewartet, dass sich nicht doch noch was machen lässt. Dabei wurde täglich von den 200 Mitarbeitern bei voller Bezahlung so getan als ob. Alle erschienen pünktlich zur Arbeit, führten Wartungsarbeiten und Checks durch. Angeblich merkte man aber an den internationalen AKW-Fußballmeisterschaften, dass hier doch noch einiges an Zeit übrig bleiben musste, da Zwentendorf dabei immer gewonnen hat. Gebaut von Siemens Österreich waren die Besitzer zu je 10% die österreichischen Energieversorger.


1986 sollte eigentlich noch eine Befragung des Volks durchgeführt werden aber da es zu dem tragischen Zwischenfall in Tschernobyl kam, hat man sich das dann sparen können. Man rufe sich in Erinnerung, dass das Kraftwerk voll einsatzbereit war und auch gehalten wurde.
Ab diesem Zeitpunkt versuchte man irgenwie aus der Sache das Beste zu machen und begonnen Teile zu verkaufen. Das Kraftwerk war bis 1992 voll bestückt, da es dem Schwesterkraftwerk in Deutschland auf Grund eines Liefervertrags nicht erlaubt war die Brennstäbe aus Österreich zu kaufen. Schlussendlich wechselten sie für 18Mio € den Besitzer, kein guter Deal also aber zumindest war man sie los.


Danach wurde versucht, irgendwas aus dem Kraftwerk zu machen. Es gab sogar Pläne einen Vergnügungspark anzulegen, was aber an Finanziellem scheiterte und nun im deutschen Brunnsbüttel steht. Bis 2012 fanden dann Sicherheitsschulungen in diesem Dummykraftwerk statt. Dafür musste man sich sogar wieder Einzelteile wie Motoren zurückkaufen.


In diesem Jahr kam es zur Katastrophe von Fukushima, was zur Stilllegung der Siedewasserreaktoren in Deutschland führte. Jetzt wurden Rückbau-Schulungen hier durchgeführt. Man kann hier ja auf Grund der fehlenden Strahlung und Wassers alles genau unter die Lupe nehmen. Sogar in den Kern wurde ein Loch geschnitten und nun kann man darin herum spazieren.


Fotografieren ist kein Problem, es gibt nichts, was nicht vermutlich schon der nord-koreanische Besuch abgelichtet hätte.
Jetzt gehört das Kraftwerk der EVN alleine und die findet das super, weil man jetzt einen gewidmeten Kraftwerksgrund an der Donau hat.


Eine sehr amüsante Story gibt es zu dem Abluftschornstein. (Der ist bei einem AKW dafür da in dem Kraftwerk für atmosphärischen Unterdruck zu sorgen.) Dieser hat nämlich für den Fall eines Erdbebens eine Sollbruchstelle. So weit so unspektakulär aber diese sorgte nicht nur dafür, dass der Kamin nicht auf das AKW fällt sondern später für einiges an Unruhe wie der Besitzer der mittlerweile nebenbei gebauten Jausenstation das herausgefunden hat. Mittlerweile wurde diese Bruchstelle so umfunktioniert, dass nicht mehr die Jausenstation getroffen wird.


Das Kraftwerk wird derzeit auch gerne für Filmaufnahmen genutzt. Was dazu führte, dass der Kontrollraum mit Monitoren und einem Dummy-PC ausgestattet wurde. Und natürlich fehlt das obligate rote Telefon nicht.


Unser Fazit, sehr spannende Führung, sehr gutes Fotomodell, 10 von 10 Pandasdoitbetter-Erlebnispunkten.

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